Konzept

Vorwort
Bestandsanalyse
Konzeption
Realisation
Perspektive

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Vorwort

Vorwort

Lange wurde diskutiert und geplant. Seit Mai 2015 ist er nun Realität: der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Er erstreckt sich über zwei Bundesländer und vier Landkreise. Auf seiner Homepage steht er neben Namen wie Serengeti, Yellowstone und Grand Canyon.

Doch was eigentlich bedeutet Nationalpark?

Ein Nationalpark ist ein großflächiges Schutzgebiet, das nur der natürlichen Entwicklung unterliegt. Er wirbt damit, Natur zu erleben und vor allem Natur zu schützen!
Um Natur zu erleben, muss man sich in ihr bewegen. Alleine die Größe des Parks verlangt nach Möglichkeiten, die verschiedenen Landschaften und Attraktionen zu erreichen.
Um Natur zu schützen, muss auch das Verkehrskonzept darauf ausgerichtet sein, einen sanften Tourismus zu fördern.

Naturschutz und Mobilität – das ist kein Widerspruch!

Die vorliegende Broschüre soll die Möglichkeiten aufzeigen, bereits vorhandene Infrastrukturen sinnvoll miteinander zu verknüpfen, um so einen Teil zum Schutz der einmaligen Flora und Fauna im Nationalpark Hunsrück-Hochwald beizutragen. Grundlegender Gedanke hierbei ist die Einbindung brachliegender Eisenbahnstrecken in das geplante Buskonzept.

So soll die Erschließung des Parks in Längsrichtung mit der Bahn erfolgen. Sie kann die drei Eingangstore nicht nur verkehrstechnisch verbinden, sondern als eigene touristische Attraktion Besucher anziehen. Sie verringert Distanzen, indem das Überwinden eben dieser Teil des erlebbaren Freizeitwertes wird.
In Querrichtung übernehmen Busse die Beförderung der Besucher. Sie sollen neben den Bahnhöfen und den jeweiligen Toren natürlich auch diese mit den umliegenden Attraktionen verbinden. Wendepunkte sollen die Bahnhöfe des bestehenden Netzes an Nahe- und Moselstrecke sein.

Auf den folgenden Seiten ist ausgearbeitet, wie dieses Konzept genau aussieht, wie es umgesetzt und finanziert werden kann, und vor allem, welche Vorteile es hat. Auch werden Möglichkeiten einer späteren Ausweitung der Verkehre aufgezeigt.

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Bestandsanalyse

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Die Nahestrecke, die Saarbrücken mit dem Rhein-Main-Gebiet verbindet, ist der leistungsstärkste öffentliche Zubringer für die Nationalparkregion. Allerdings liegen alle Bahnhöfe der Nahesstrecke in einiger Entfernung zum Nationalparkgebiet.
So ist der Nationalpark Hunsrück-Hochwald bundesweit bisher der einzige Nationalpark ohne direkten Bahnanschluss. Das ist im Vergleich zu anderen Regionen ein großer Wettbewerbsnachteil.

Die Nationalparktore Erbeskopf und Otzenhausen wären von Hunsrück- bzw. Hochwaldbahn aus fußläufig erreichbar. Das Nationalparktor Wildenburg liegt günstig zum Bahnhof Morbach. Die den Nationalpark umschließenden Bahnstrecken sind aber derzeit ohne Verkehr.
Der Flughafen Hahn soll über die Hunsrückbahn im Stundentakt an das Rhein-Main-Gebiet angeschlossen werden. Neben der Nahestrecke könnte sich hier eine zweite große Erschließungsachse entwickeln.

Um den Nationalpark ohne Auto erreichen zu können, müssen derzeit Buslinien genutzt werden. Da der Fokus der regionalen Busverkehre aber auf dem Schülerverkehr liegt, eignen sich die Buslinien nur bedingt für Besucher des Nationalparks.
Außerhalb der Schulzeiten (an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien) gilt meist ein stark ausgedünnter Fahrplan, oder die Fahrten entfallen ganz.  Doch gerade in dieser „Freizeit“ wollen Besucher den Nationalpark erleben.
Auch Kreisgrenzen stellen ein erhebliches Problem dar. Oft beginnen oder enden Buslinien hier. Als Beispiel seien die Buslinien 209 (Hermeskeil-Muhl) und 323 (Birkenfeld-Börfink) angeführt. Das Schließen der nur drei Kilometer langen Lücke zwischen Muhl und Börfink wäre eine enorme Aufwertung des Angebotes.
Bei anderen Linien bedarf es nur kleiner Anpassungen im Fahrplan, um für den Nationalpark attraktiv zu werden (Beispiel: Das Nationalparktor Wildenburg in die Buslinie 343 Idar-Oberstein-Morbach integrieren).
Auch eine bessere Vertaktung der Angebote müsste erreicht werden, um den Besuchern mehr Flexibilität zu bieten.

Die Fahrradmitnahme ist derzeit nur bei ausgewählten Fahrten der Buslinie R200 (Türkismühle-Hermeskeil-Trier) möglich. Ein den Nationalpark umschließender Radweg ist in Planung. Auf dem Idarkopf soll ein Bike-Park entstehen. Hier fehlen bisher ÖPNV-Angebote, die einen Radtransport ermöglichen.

Zu all diesen Problemen kommen die großen Angebotslücken. Die Nationalparktore Wildenburg und Erbeskopf sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln bisher nicht zu erreichen. Zwischen Hermeskeil und Morbach oder von Thalfang über den Erbeskopf nach Birkenfeld gibt es derzeit keine ÖPNV-Angebote. Ebenfalls fehlt eine Verbindung zwischen den einzelnen Nationalparktoren. An Wochenenden ist die Anreise in das Nationalparkgebiet ohne Auto nur in Otzenhausen möglich.

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Konzeption

Konzeption

Der Nationalpark braucht ein einfaches ÖPNV-Konzept, das vom Besucher schnell erfasst wird und alle wichtigen Punkte der Nationalparkregion verbindet. Die zusätzlichen Verkehre müssen möglichst kostengünstig aufgebaut werden und gleichzeitig so attraktiv sein, dass eine hohe Auslastung erzielt wird.

Unser Konzeptvorschlag beinhaltet zwei Hauptachsen:

Achse 1: Nahestrecke Saarbrücken – Mainz
Die Nahestrecke dient der überregionalen Erschließung.

Achse 2: Hunsrückbahn Morbach – Hermeskeil
Die Hunsrückbahn als parallele Achse zur Nahestrecke dient als Verbindung zwischen den Nationalparktoren.

Die drei NP-Buslinien bilden die Querverbindungen der Hauptachsen:

Linie 1: Idar-Oberstein – Wildenburg – Morbach – Bernkastel-Kues
Die bisherigen Linien 343 und 311 werden ersetzt durch die NP-Linie 1. In Idar-Oberstein besteht Anschluß an die Nahebahn. In Morbach kann der Zug in Richtung der beiden anderen Nationalparktore genutzt werden. In Bernkastel-Kues besteht Anschluss an die Moselschifffahrt.

Linie 2: Neubrücke – Birkenfeld – Ferienpark Hambachtal – Börfink – Thalfang
Die bisherige Linienführung der Linie 322 wird über den Erbeskopf bis Thalfang erweitert. In Thalfang kann der Zug in Richtung der beiden anderen Nationalparktore genutzt werden. Es besteht Anschluss an die Linie 100 Hahn – Trier und die Nahestrecke in Neubrücke.

Linie 3: Nohfelden Türkismühle – Otzenhausen – Hermeskeil – Trier
Die Linie R200 verkehrt als Nationalparklinie 3. In Nohfelden-Türkismühle besteht Anschluss an die Nahestrecke. Der Bus verkehrt über den Center-Parc nach Hermeskeil. In Hermeskeil kann der Zug in Richtung der beiden anderen Nationalparktore genutzt werden. Die Buslinie endet am Hauptbahnhof Trier.

Die drei Nationalpark-Buslinien dienen der Netzverdichtung der beiden Hauptachsen. Sie sorgen gleichzeitig für die direkte Anbindung der Bahnhöfe Morbach, Thalfang und Hermeskeil an die Nationalparktore. Weitere Sehenswürdigkeiten können über die Buslinien erschlossen werden.
Ergänzend können die Nationalparktore von den Bahnhöfen aus auch erwandert werden. Von Morbach führt die Etappe 11 des Saar-Hunsrück-Steigs zur Wildenburg (17,2 km). Vom Haltepunkt Deuselbach erreicht man das Hunsrückhaus nach 3 km, die teilweise auf dem Saar-Hunsrück-Steig zurückgelegt werden können. Von Hermeskeil erreicht man nach ca. 10 km über den Saar-Hunsrück-Steig den Keltenpark Otzenhausen.

Die Kombination von Wandern, Bahn, Bus und natürlich auch Rad eröffnet spannende Möglichkeiten der Freizeitgestaltung im Nationalpark.

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Realisation

Realisation

Die Reaktivierung der Bahnstrecke Morbach – Hermeskeil bildet das Rückgrat dieses Mobilitätskonzeptes. Durch minimale Änderungen bestehender Buslinien werden Hunsrück- und Nahebahn verbunden. Es entsteht ein leistungsfähiges und engmaschiges Nahverkehrsnetz, das die Nationalparkregion in idealer Weise erschließt. Vom Rhein-Main-Gebiet, aus Saarbrücken, Trier und der Ferienregion Mittelmosel ist der Nationalpark per ÖPNV bestens erreichbar.

Das vorgeschlagene Konzept könnte vorerst an Wochenenden eingeführt werden, da hier die ÖPNV-Situation besonders problematisch, die Besucherdichte aber am höchsten ist. In den Hauptferienzeiten ist eine Ausweitung auf bestimmte Tage unter der Woche denkbar.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Die touristischen Angebote der Region werden ideal verknüpft.
  • Das Land Rheinland-Pfalz fördert Investitionen in die Infrastruktur touristisch genutzter Bahnstrecken ohne regulären Verkehr mit 85% der Kosten.
  • Der Verein „Historische Eisenbahn Hunsrück e.V.“ lässt gerade einen professionellen Businessplan zur Reaktivierung der Bahnstrecke Morbach –  Hermeskeil erstellen. U.a. soll darin geprüft werden, ob eine private Kostenbeteiligung an den restlichen 15% möglich ist und welche Streckenpacht der laufende Betrieb erwirtschaften kann.
  • Die Eisenbahnverkehre können durch die Vereine „Historische Eisenbahn Hunsrück e.V.“ und „Pro Hochwald- & Hunsrückbahn e.V.“ weitestgehend ehrenamtlich erbracht werden.
  • Der „Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord“ unterstützt die Verkehre durch einen Zuschuss. Nicht über das Ehrenamt abgedeckte Leistungen können so finanziert werden.
  • „Schienenbonus“: Eisenbahnverkehr wird von den Nutzern immer besser angenommen, als vergleichbarer Busverkehr (sogar, wenn die Fahrzeit des Busses kürzer ist!).
  • Eines der Ziele des Vereins „Historische Eisenbahn Hunsrück e.V.“ ist es, die vereinseigene Dampflok in Betrieb nehmen zu können. Sie soll als Besuchermagnet auf der Bahnstrecke eingesetzt werden. So entsteht in der Nationalparkregion eine zusätzliche Besucherattraktion, die auch dazu führt, dass die Zubringerbusse besser ausgelastet werden. Vergleichbare Bahnen sind mit 30.000 bis über 100.000 Fahrgästen pro Jahr ein echter Wirtschaftsmotor für die jeweiligen Regionen (Siehe auch „Positivbeispiele“).
  • Kostenlose Fahrradbeförderung ist in den Zügen problemlos möglich.
  • Anpassen vorhandener Buslinien: Die NP-Linie 3 existiert bereits als R200. Lediglich die Linien 311, 322 und 343 müssten für das Angebot optimiert werden.

Für die Landkreise könnte eine Reaktivierung der Bahnstrecke also wirtschaftlicher sein, als eine vergleichbare Buslinie!

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Perspektive

Perspektive

Parallel zur Inbetriebnahme der Strecke Morbach -Hermeskeil muss die Trassensicherung der Gesamtstrecke Türkismühle – Büchenbeuren weiter verfolgt werden. Bewährt sich das Konzept, kann die NP-Linie 3 ab Hermeskeil bis Türkismühle als Zugleistung erbracht werden.  Nach Inbetriebnahme der Bahn zum Hahn können die Züge über Morbach hinaus bis Büchenbeuren verlängert werden. Musealer und moderner Zugverkehr können sich ergänzen. Der Saar-Hunsrück-Steig, einschließlich vieler Traumschleifen, erfährt durch die Möglichkeit eine Wanderung mit Bus und Bahn zu kombinieren, eine enorme Aufwertung. Sonderzüge direkt aus Ballungsgebieten in die Nationalparkregion wären denkbar. Der Flughafen Hahn hätte Bahnanschluß direkt ins Nationalparkgebiet.

Die Nationalparklinien müssten genutzt werden, um touristische Attraktionen besser zu vernetzen. Die NP-Linie 1 z.B. könnte die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Idar-Oberstein und an der Mittelmosel mit der Nationalparkbahn verbinden.
Über die NP-Linie 2 könnte Birkenfeld (Kreisstadt und Sitz des Nationalparkamts) mit dem Ferienpark Hambachtal, der Traumschleife „Rund um den Zauberwald“ und der Petersquelle bzw. dem Sauerbrunnen sowie dem Ferienpark Himmelberg verbunden werden.

Um das Busangebot zu optimieren, empfiehlt sich die Einrichtung von vier weiteren (Zusatz-)Linien:

ZL1: (Fahrradbus): Hochscheid – Idarkopf – Rhaunen – (evtl. Bundenbach) – Herrstein – Fischbach-Weierbach
Mögliche touristische Ziele der Route: historisches Kupferbergwerk Fischbach, mittelalterlicher Ortskern Herrstein, Bundenbach mit Keltensiedlung, Schmidtburg sowie Schieferbergwerk und Idarkopf mit Bike-Park. Anschluss an die Nationalparkbahn ist in Hochscheid.

ZL2: Hermeskeil – Züsch – Muhl – Börfink
Mögliche touristische Ziele der Route: Flugausstellung Hermeskeil, Züscher Hammer. Von Muhl nach Börfink (3 km Entfernung) besteht heute keine Verbindung. Die Einrichtung einer durchgehenden Verbindung zur NP-Linie 2 wäre einfach realisierbar.

ZL3: Nonnweiler – Otzenhausen – Hunnenring – Braunshausen – Primstal – (Wadern)
Die Linie 629 sorgt heute schon für Mobilität in der Gemeinde Nonnweiler. Dabei verbindet sie Sitzerath, Bierfeld, Nonnweiler, Otzenhausen, Braunshausen und Primstal. Durch Anpassungen im Fahrplan könnten das Nationalparktor Keltenpark (Hunnenring) und evtl. das Freizeitzentrum Peterberg angefahren werden. In Nonnweiler besteht Übergang zur Nationalparkbahn.

ZL4: Gonnesweiler – Center Parc – Bostalsee
Pendelverkehr zwischen dem Haltepunkt Gonnesweiler und dem Bostalsee mit dem Ferienpark „Center Parc“. In Gonnesweiler besteht Übergang zur Nationalparkbahn. Den Verkehr könnte die „Rote Emma“ leisten.

Zur erfolgreichen Verknüpfung des Bus- und Bahnverkehrs in der Nationalparkregion gehört auch ein gültiger Fahrschein für alle Angebote. Hierbei gibt es genügend Vorbilder, wie z.B. der Bayerische Wald mit dem GUTi (Gästeservice Umwelt-Ticket) und dem Bayerwald-Ticket.